Filterkaffee: Daheim und im Café

Filterkaffee steht von Anfang an im Zentrum unseres Angebots: Nicht, weil es der Bestseller ist oder besonders viele Gäste danach fragen, sondern weil er uns selbst am meisten Spaß macht und wir finden: Keine andere Brühmethode bietet eine bessere Bühne für die Vielfalt und Qualität der von uns ausgewählten Bohnen.

Die beste Art, zu Hause Kaffee zu machen: Filterkaffee

Zumindest in Deutschland denkt so gut wie jeder zuallererst an die Siebträgermaschine, wenn er sich Kaffee als neues Hobby anschafft. Dabei ist Espresso daheim vermutlich die schlechteste Idee, wenn das Ziel zuverlässig guter Kaffee ist.

Ganz ehrlich, um Espresso halbwegs so hinzubekommen wie wir im Laden, gibst du eine mittlere vierstellige Summe aus und arbeitest dich ein gutes halbes Jahr mit viel Hingabe in ein neues Hobby ein und machst am besten einen vernünftigen Barista-Kurs. Und selbst dann: Wenn du eine neue Tüte Kaffee aufmachst, brauchst du erstmal ein paar Minuten extra, bevor wieder alles läuft, wie es soll. In der Realität trinken die meisten Heimbaristas also meistens Shots, die wir nicht rausgeben würden, die daheim aber gerade noch zu gut sind, um sie in die Spüle zu kippen und noch einen zu ziehen. Der nächste, morgen, wird’s dann… bestimmt…

Wenn du also vor der Auswahl stehst, dir in deiner Wohnung eine Modelleisenbahn oder eine Kaffeeecke aufzubauen, dann klar, hol dir die Marzocco und alles drumherum und hab Spaß. Wenn du aber morgens, bevor du aus dem Haus gehst, vernünftigen Kaffee haben willst: Filterkaffee ist die bessere Option.

Ein Bruchteil der Kosten für ein Vielfaches an Qualität

Mit Kaffee-Zubehör, das ein Zehntel einer amtlichen Espressoeinrichtung kostet (und ein Zehntel des Platzes beansprucht… und ein Zehntel des Drecks macht…) machst du Filterkaffee auf Weltklasseniveau – und das meinen wir wörtlich: Das Equipment, mit dem Leute zum World Brewers Cup fahren, kostet alles in allem in der Regel nur ein paar hundert Euro: Eine vernünftige Handmühle wie die Comandante C40, ein guter Dripper wie der Hario V60, eine Waage mit Timer und, wenn du magst, so ein lustiger Wasserkocher mit Schwanenhals und los geht’s. Dann brauchst du nur noch guten Kaffee und gutes Wasser. 😉

Unsere bevorzugte Brühmethode: Hario V60

Es gibt viele Dripper und dennoch kaum einen, den wir noch nicht ausprobiert haben. Und doch nehmen wir beinahe alle zuhause nur einen her: Hario V60.

Klar, manche Kaffees kommen in einem No-Bypass-Brewer wie dem NextLevel Pulsar oder dem KONO Dripper wirklich besser, manche in einem Flat-Bottom-Dripper wie dem Kalita Wave oder dem April Brewer, aber: kein Kaffee kommt im V60 schlecht.

Wenn man also oft Sorten wechselt und nie schlechten Kaffee trinken will, ist der V60 für uns – und viele andere wie z. B. Lance Hedrick – die beste Wahl.

Ein Standard-Rezept und wenige Abweichungen

Der größte Tipp wäre: Entwickle ein Standard-Rezept, das grundsätzlich Kaffee nach deinem Geschmack brüht. Leg die Dosis fest und weiche nicht zu viel davon ab. Wenn du nur für dich brühst, entscheid dich für irgendeine Menge zwischen 12g und 18g, für zwei Leute z. B. irgendwas zwischen 20g und 30g, und bleib dabei. Finde einen Mahlgrad, mit dem das passt, leg dich auf eine Gießstruktur fest und änder danach erstmal ein paar Wochen lang nichts.

Erst, wenn du dich in die Details deiner neuen Art zu brühen reingeschmeckt hast und reproduzierbar gute Ergebnisse erzielst, kannst du begründet davon abweichen, z. B.:

  • Naturals oder Anaerobics: Brühtemperatur reduzieren, feiner mahlen

  • Dunklere Röstung: Brühtemperatur reduzieren, weniger Agitation

  • Besonders helle Röstung: Brühtemperatur erhöhen, mehr Agitation

Wenn du verstehen willst, warum und was du noch anpassen kannst, empfiehlt sich unsere Filter Coffee Masterclass! Hier wird dir dann nicht nur die Theorie erklärt, sondern wir beweisen dir in der Tasse, wie wir das meiste aus verschiedenen Kaffees herausholen.

Und wie machen wir Filterkaffee bei sweet spot kaffee?

Am Anfang war der Batch Brew

Nach Erfahrungen in anderen Cafés, sowohl als Barista als auch als Gast, war für uns von Anfang an klar: Wir machen keine Pourovers von Hand. Dafür gibt es viele, viele Gründe, hier nur die wichtigsten:

  • Es dauert einfach zu lange: Wenn ein Barista für ca. fünf Minuten an eine einzelne Aufgabe gebunden ist, entstehen für alle anderen Gäste inakzeptable Wartezeiten.

  • Pourovers sind inkonsistent: Ja, ein gut gebrühter Handfilter ist eine wunderbare Sache, aber es ist wirklich nicht einfach, 3x hintereinander den gleichen Kaffee zu brühen – selbst daheim und in aller Ruhe. Wenn wir das Ganze dann in ein Café mit Warteschlange an der Theke und auf mehrere Baristas hinter der Theke übertragen, wird es nicht konsistenter.

  • Handfilter sind teuer: Wenn wir die Wartezeiten, die Pourovers mit sich bringen, vermeiden wollten, müssten wir extra Personal dafür einplanen und letztlich einen Preis dafür verlangen, den der Kaffee in der Tasse nur schwer wert sein kann.

Also haben wir Batch Brew gemacht. Batch löst alle oben genannten Probleme, bringt – ehrlich, zumindest im Durchschnitt – besseren Kaffee in die Tasse und lässt sich preiswert anbieten. Ein toller weiterer Bonus ist, dass wir Gästen, die nie im Leben auf die Idee gekommen wären, Filterkaffee zu bestellen, kleine Probierschlücke geben konnten und so nicht wenige zu Filterkaffeetrinkern konvertiert haben.

Das ging lange ziemlich gut, aber am Ende überwog der eine große Nachteil: Es gab immer nur einen, manchmal zwei Kaffees zur Auswahl.

Als Kaffeeladen, der sich die Vielfalt von Kaffee auf die Fahnen schreibt, wurde das zum immer größeren Problem.

Automatisierte Pourovers

Also haben wir viel Geld ausgegeben. Erst für eine Maschine, die das halbwegs gut konnte und immer noch eine Menge händischer Intervention erforderte, dann für eine Maschine, die es wirklich konnte: Poursteady.

Das automatische Poursteady kann genau eine Sache: Kontrolliert und reproduzierbar Wasser in programmierbaren Bewegungen und Zeitabständen auf Kaffee gießen. Egal welcher Barista auf den Knopf drückt. Und während das Ding sein Ding macht, kann der Barista dir mehr über den Kaffee erzählen, deiner Begleitung Cappuccinos brühen und vielleicht sogar schon den nächsten Gast bedienen.

Dabei befolgen wir alle Tipps, die wir dir oben für Pourover zuhause gegeben haben. Unser Rezept ist denkbar einfach: 14g auf 235g, 94°C in insgesamt zweieinhalb bis drei Minuten. Die einzige Variable, die wir im Alltag nutzen, ist der Mahlgrad.

So können wir alle oben genannten Probleme lösen und einzeln gebrühte Filterkaffees in gleichbleibend hoher Qualität zu einem fairen Preis anbieten.

Und selber trinken.

Am Ende steht vielleicht irgendwann doch wieder Batch Brew

Insgeheim hoffen wir trotzdem, dass wir damit weiter Leute für Filterkaffee begeistern können und irgendwann genug davon verkaufen, dass wir wieder Batch Brew anbieten können… die Probierschlücke, das Preis-Leistungsverhältnis und der Workflow sind einfach unschlagbar – wenn genug Kaffee rausgeht, dass der Batch nicht zu lange steht, oxidiert und “batchy” wird.

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