Takesi Geisha ist ein legendärer Kaffee. Für viele unter uns, die schon etwas länger dabei sind, war es einer der ersten Kaffees, der merklich anders schmeckte, als man dachte, dass Kaffee schmecken kann. Anfang Juli hatten wir Mariana, die Inhaberin der Finca Takesi bei uns zu Gast. Wir hatten zufällig ihren Kaffee auf dem Regal und noch ein älteres Lot davon im Gefrierfach, also beschlossen wir nach ein paar Tassen Kaffee bei Schnitzel und Bier, am Folgetag ein spontanes Tasting-Event zu veranstalten. Es folgte einer der schönsten Abende in der Geschichte von sweet spot kaffee.
Die Geschichte von Gesha
Um die Geschichte von Takesi Geisha zu erzählen, müssen wir kurz einen Blick auf Kaffeegeschichte werfen. Denn er war einer der Großen während des Geisha Hypes, der nach 2004 um die Hacienda La Esmeralda in Panama entstand.
Damals gewann ein florales Lot der Familie Peterson die „Best of Panama“-Auktion, sprengte alle Punkte-Rekorde und erreichte einen seinerzeit unerhöhrten Preis von umgerechnet ca. 35€ pro kg – einem Preis, zu dem man heute kaum mehr irgendeinen Geisha bekommt, der damals aber das ca. 50-fache des Börsenpreises für Arabica betrug. 2024 erzielte das Gewinner-Lot des Best of Panama einen neuen Rekordpreis – 9.211€ pro kg, in Worten: Neuntausendzweihundertundelf Euro. Neuntausendzweihundertundelf. Das Fünftausendfache des Marktpreises für Arabica.
Panama Geisha ist also eine Erfolgsstory. Und war womöglich der Grundstein für Microlot-Specialty-Coffee und den Diskurs über Herkunft, Varietäten und Aufbereitung. Unser Regal sähe heute anders aus, hätte es Esmeralda Geisha nie gegeben.
Die Finca Takesi
Die Finca Takesi liegt in Bolivien, an steilen Hängen in den Anden, entlang eines Inca Trails und in einem Land, aus dem nur wenig Kaffee kommt, etwa ein Zehntel von Peru oder Guatemala und weniger als ein Dreißigstel von Kolumbien.
Aber Mariana und ihr Vater Don Carlos hatten sich bereits einen Ruf für ihren Typica erarbeitet. 2009 gewannen sie mit atemberaubenden 93,36 Punkten den leider vorerst letzten Cup of Excellence in Bolivien. Im Folgejahr pflanzten sie das erste Mal Geisha – und zwar nicht irgendeinen, sondern den der sagenumwobenen Hacienda La Esmeralda.
Und so entstand Takesi Geisha.
Zunächst ging die komplette Ernte an die Pioniere des direkten Kaffeehandels: Intelligentsia in den USA. Als die aber von JAB gekauft wurden (eine Geschichte für einen anderen Tag), stellte der damalige Importeur die Connection zu anderen Röstern her, darunter Coffee Collective, die bis heute die einzige Rösterei in Europa sind, bei der es Takesi Geisha gibt – und auch das nur in begrenzen Mengen.

Für mich zählt er seit Jahren zu einem der besten Kaffees des Jahres – jedes Jahr. So sehr, dass er traditionelles Mitarbeiter-Weihnachtsgeschenk bei sweet spot kaffee ist.
Es hat mich also ungemein gefreut, als Mariana sich auf einen Kaffee in meinem Laden ankündigte, zumal wir gerade noch ein paar wenige Tüten der Späternte im Regal hatten.
Mariana Iturralde Costa bei sweet spot kaffee
Wir haben uns sofort verstanden. Eigentlich wollte sie sich München anschauen und von der World of Coffee in Genf entspannen, aber wir haben uns stundenlang bei Kaffee verratscht, sind dann ein Schnitzel essen gegangen und haben beim zweiten Bier beschlossen, zu sehen, ob wir nicht ein kleines Publikum für ein spontanes Tasting Event am Folgetag zusammentrommeln können. Auf dem Heimweg fiel mir noch ein, dass ich noch eine Tüte Geisha von 2023 im Gefrierschrank hatte.
Der Newsletter ging am Dienstagmorgen um 07:15 Uhr raus, kurz vor 09:00 war das Event mit 30 Teilnehmern ausgebucht. Dazu knapp das halbe Team von sweet spot kaffee. Mariana war von Anfang an sichtlich gerührt und wir erlebten eine gemeinsame Stunde, die allen Anwesenden klarmachte, warum Kaffee so ein wundervolles Hobby und so ein toller Job sein kann.
Klar, der Schluck Kaffee, den jeder probieren konnte, war lecker – diesem Fall sogar zweifelsohne einer der leckersten –, aber dieser seltene Moment, in dem die beiden Enden der Kette sich treffen und ihre Perspektiven austauschen konnten, diese weltweite Verbindung von Menschen, die eine Leidenschaft für Qualität teilen und ihre Arbeit nicht nur so gut machen, wie sie müssen, sondern wie sie können, ist der Grund, warum wir in Specialty Coffee arbeiten.
Mariana erzählte uns von ihrer Arbeitsweise: Täglich gehen fest angestellte Picker durch das Feld, um einerseits reife Kirschen zu ernten, andererseits von
Sie erzählte uns auch von dem herzzerreißenden Moment, als sie feststellte, dass sie dieses Jahr ca. ein Drittel ihrer Ernte verlor, weil das Wurzelwerk der Geisha-Bäume nicht mehr in der Lage war, die Pflanzen zu versorgen, von den Herausforderungen, die Klimawandel und Weltwirtschaft aktuell konkret für die Finca Takesi bedeuten, aber auch von der Erfolgsgeschichte und der Wertschätzung, die sie in den letzten Jahren erlebt hat und von den Plänen, die sie für die nächsten Jahre hat.

